Eine Reise der Vernunft, des Glaubens und der Wahrheit

Ein Weg der Forschung von A bis Z

Eine logische, schrittweise Roadmap, um islamische Lehren mit Vernunft, Klarheit und Ziel zu verstehen.

Ursprung

Die Idee Gottes: der Abdruck des Schöpfers und die Notwendigkeit des Daseins

Kurz gesagt

Die bloße Fähigkeit des Verstandes, sich den absoluten Gott vorzustellen, ist keine flüchtige Illusion; denn der Verstand erschafft seine Ideen nicht aus dem Nichts, sondern deckt einen in ihm eingeprägten seinsmäßigen Abdruck auf, der auf seine Quelle hinweist.

Einleitung: Der Verstand als Spiegel, nicht als Fabrik

Über lange Jahrhunderte wurde der menschliche Verstand als ein absoluter Schauplatz der Freiheit betrachtet, fähig, Welten und Vorstellungen ohne Ende zu erschaffen. Doch die philosophische Prüfung und die strukturelle wissenschaftliche Analyse führen zu einer völlig anderen Wahrheit: Der Verstand des Menschen ist keine Fabrik, die den Rohstoff der Ideen aus dem Nichts erzeugt, sondern ein überaus entwickelter „Spiegel“, der das umordnet, gestaltet und zusammenfügt, was in diesem Universum bereits vorhanden und angelegt ist.

Wenn wir dem Mechanismus der Hervorbringung wissenschaftlicher Theorien und der Ausformung technischer Erfindungen nachgehen, gelangen wir zu einem strengen erkenntnismäßigen Gesetz: Der Verstand erfindet keine neuen Regeln, sondern entdeckt das Bestehende und wendet es an. Und wenn wir dieses physikalische und philosophische Gesetz auf die größte und tiefste Idee anwenden, die das menschliche Gewissen durch die Geschichte hindurch beschäftigt hat – die Idee des „absoluten Gottes“ –, gelangen wir zu einem zwingenden Ergebnis, das in seiner Einfachheit und Stringenz erschütternd ist: Die bloße Fähigkeit des menschlichen Verstandes, sich Gott vorzustellen, ob bei seinen Gläubigen oder seinen Leugnern, ist an sich der größte und glänzendste Beweis für die Notwendigkeit seines Daseins.


1. Der Begriff des seinsbezogenen Philosophierens und der Ausdruck „Ex Nihilo“

Um die Unfähigkeit des menschlichen Verstandes zur absoluten Hervorbringung zu erfassen, müssen wir zunächst einen der strengsten philosophischen und theologischen Ausdrücke durch die Geschichte hindurch verstehen, nämlich den lateinischen Ausdruck „Ex Nihilo“, der wörtlich „aus dem reinen Nichts“ oder „aus dem Nichts“ bedeutet.

In der metaphysischen Philosophie wird die Schöpfung oder Hervorbringung in zwei Arten geteilt:

  • Die Schöpfung aus dem Nichts (Creatio ex nihilo): Es ist die Hervorbringung eines Dinges aus einem ihm überhaupt nicht vorausgehenden Nichts; das heißt die Abwesenheit der Materie, die Abwesenheit der Zeit und die Abwesenheit des Ortes und dann das plötzliche Aufgehen des Daseins durch eine absolute Kraft. Diese Handlung ist in den seinsbezogenen Glaubenslehren und Philosophien eine rein göttliche Angelegenheit, bei der das Sein dem Nichts zuströmt, sodass es sich in ein Dasein verwandelt.
  • Das Herstellen und Ausformen (Creatio ex materia): Es ist die Hervorbringung eines neuen Dinges auf der Grundlage eines bereits zuvor vorhandenen Rohstoffs, und das ist das Äußerste, was der Mensch tun kann.

Wenn wir sagen, dass es dem menschlichen Verstand unmöglich ist, etwas „Ex Nihilo“ hervorzubringen, so meinen wir, dass der Mensch nicht das „Vorrecht der schöpferischen Hervorbringung“ besitzt. Der Verstand ist an die Wirklichkeit gebunden; er braucht stets einen ersten Baustein, einen sinnlichen Hinweis oder ein bestehendes kosmisches Gesetz, um mit dem Denken zu beginnen. Der Verstand kann eine Idee nicht ins Dasein werfen, wenn sie keinen Anteil oder keine Wurzel im äußeren Sein hat, die ihr Leben zuführt.


2. Die Zergliederung des Verstandes: der Mechanismus der Geburt von Theorien und Erfindungen

Die Unmöglichkeit der Hervorbringung Ex Nihilo, also der Schöpfung aus dem Nichts, tritt am deutlichsten zutage, wenn wir die erhabensten Erzeugnisse der Menschheit betrachten: die Wissenschaften und die Technik.

1. Die wissenschaftlichen Theorien: das Lüften des Schleiers vom Verborgenen

Wenn ein Wissenschaftler eine große Theorie formuliert, die den Lauf der Geschichte verändert, ist der genaue Ausdruck für das, was er getan hat, „die Entdeckung“ und nicht „die Erfindung“. Isaac Newton (1642–1727 n.Chr.) erschuf nicht die Schwerkraft; Albert Einstein (1879–1955 n.Chr.) brachte nicht das Gefüge der Raumzeit hervor; und die Quantenmechanik wurde nicht vom Verstand Max Plancks (1858–1947 n.Chr.) aus dem Nichts erzeugt.

Eine Theorie beginnt stets mit der Beobachtung einer „Anomalie“ oder einer Lücke in der beobachteten Wirklichkeit, gefolgt von einem Vorgang rationaler und mathematischer Abstraktion. Diese Abstraktion ist keine Schöpfung einer neuen Ordnung aus dem Nichts, sondern der Versuch, die geometrische und physikalische Ordnung zu entschlüsseln, die im Universum seit dem Augenblick des Urknalls bereits besteht. Der Verstand empfängt hier die verborgenen kosmischen Gesetze und übersetzt sie in menschliche Sprache und Gleichungen.

2. Die technischen Erfindungen: die Kreuzung und die Biomimikry

Die revolutionärsten und faszinierendsten menschlichen Erfindungen sind nichts als ein entwickelter „Recycling“-Vorgang von sinnlichen Eingaben und bestehenden Stoffen. Der menschliche Verstand übt hier die Rolle des „Kreuzenden“ oder des Herstellers von Kombinationen aus; er verbindet zwei bereits vorhandene Werkzeuge oder Ideen, um eine neue Funktion hervorzubringen, doch erschafft er nicht die eigentlichen Stoffe für sie.

Zum Beispiel war eine Erfindung wie „das Flugzeug“ kein Sprung außerhalb der Gesetze des Universums oder eine Schöpfung aus dem Nichts, sondern eine Verbindung von aus der Erde gewonnenen Metallen wie Aluminium und Eisen, eine unmittelbare Anwendung bereits bestehender physikalischer Gesetze wie des Auftriebsgesetzes des Archimedes (etwa 287–212 v. Chr.) und eine wortgetreue biologische Nachahmung der Konstruktion der Vogelflügel und der Art, wie sie die Luft durchdringen.

Ebenso verhält es sich beim „Koffer mit Rädern“: Der Verstand erfand nicht das Rad und nicht den Koffer, sondern ordnete die Beziehung zwischen beiden neu, um ein menschliches Problem zu lösen. Und selbst „das Radar“ ist eine technische Nachahmung des biologischen Systems, das die Fledermäuse mittels Ultraschallwellen leitet, und „die künstliche Intelligenz“ ist in ihrer Tiefe eine ingenieurmäßige Reproduktion der Art, wie die Nervenzellen im menschlichen Gehirn miteinander verbunden sind.

Der menschliche Erfinder gleicht genau dem „Bildhauer“; der Bildhauer erschafft nicht den Marmor und erfindet nicht die physikalischen Gesetze, die seinem Meißel erlauben, den Stein zu schneiden. Er besitzt nur die „Vision“, die überflüssigen Teile zu entfernen, damit die im Inneren des Felsens verborgene Gestalt hervortritt. Der Verstand zerlegt also und setzt zusammen, doch ist er völlig unfähig, einen „Rohstoff“ oder eine „Wesenheit“ zu erfinden, die keine Wurzel in der Außenwelt hat.


3. Die philosophische Sicht durch die Geschichte: die Unmöglichkeit, sich das Nichts vorzustellen

Dieser praktische Mechanismus der Erfindung war den großen Philosophen durch die Geschichte hindurch nicht verborgen; er bildete vielmehr das Fundament der erkenntnistheoretischen Schulen von Griechenland bis in die Moderne und bestätigte, dass alles, was im Geist ist, aus dem Sein geschöpft ist.

1. Die griechische Philosophie: von Parmenides bis Aristoteles

Parmenides (etwa 515–450 v. Chr.): Er legte den Grundstein mit seinem strengen Grundsatz: „Das Sein ist, und das Nichts ist nicht.“ Er argumentierte, dass der Verstand nur über das Sein nachdenken kann, weil das Nichts keine Wirklichkeit hat und es dem Verstand unmöglich ist, aus dem Nichts ein Bild oder eine Idee zu schöpfen.

  • Die Beweise und die Deutung: Parmenides führte einen rationalen Beweis, der auf der „Unmöglichkeit des erkenntnismäßigen Widerspruchs“ beruht; sein Inhalt ist, dass jede Idee, die der Verstand erwägt, zwangsläufig zu einem Gegenstand führen muss, und der Gegenstand muss „sein“, damit über ihn nachgedacht werden kann. Versucht der Verstand also, über das „absolute Nichts“ nachzudenken, so verwandelt er es entweder in einen Gegenstand (und verleiht ihm damit eine Art von Sein und Dinghaftigkeit im Geist) oder er ist völlig unfähig, es zu erfassen. Die Deutung hier ist, dass das reine Nichts keine Eigenwesenheit und keine Eigenschaften besitzt, und was kein Eigenwesen hat, strömt kein Bild aus; demnach ist das menschliche Bewusstsein gänzlich im Sein aufgezehrt, und jede Idee, die sich in ihm abzeichnet, ist ein Abdruck eines ihr vorausgehenden realen Seins, und es ist unmöglich, dass sie aus der Leere des Nichts erwächst.

Platon (etwa 427–347 v. Chr.): Er vertrat die Auffassung, dass die Ideen und die allgemeinen Begriffe wie Gerechtigkeit, Schönheit und Idealität nicht vom menschlichen Verstand Ex Nihilo erfunden werden, sondern eine „Wiedererinnerung“ (Anamnesis) sind; denn die Seele schaute diese Wahrheiten in der „Welt der Ideen“, bevor sie in die materielle Welt herabstieg, und das Lernen ist hier ein Zurückholen dessen, was bereits vorhanden ist.

  • Die Beweise und die Deutung: Platon führte den „Beweis der absoluten allgemeinen Begriffe“; denn in unserer materiellen Welt sehen wir nur schöne, veränderliche Dinge (eine schöne Rose, ein schönes Gemälde), doch besitzen wir in unserem Verstand einen feststehenden, absoluten Begriff der „Schönheit an sich“, der sich nicht mit dem Wandel der Rose oder ihrem Verwelken ändert. Und da dieser vollkommene Begriff in der veränderlichen und mangelhaften materiellen Welt nicht vorhanden ist, ist der Verstand unfähig, ihn aus mangelhaften materiellen Eingaben zu erfinden und zusammenzusetzen. Die platonische Deutung sieht diese Begriffe als „objektive, eigenständige seinsmäßige Wahrheiten“, deren Bild sich der Seele einprägte, als sie sie in der ewigen Ideenwelt schaute, und der Vorgang des Denkens und Erfassens im Diesseits ist nichts als ein Abschaben des Staubes der Materie von der geistigen Erinnerung, um den in ihr verborgenen Ursprung des Seins wiederzugewinnen.

Aristoteles (384–322 v. Chr.): Er festigte das Prinzip der vollständigen Abhängigkeit vom äußeren Sein mit seinem berühmten erkenntnismäßigen Grundsatz: „Es ist nichts im Verstand, was nicht zuvor in den Sinnen war.“ Der Verstand wird bei ihm als unbeschriebenes Blatt geboren, und alle Ideen ohne Ausnahme sind Widerspiegelung, Ableitung und Abstraktion von realen Bildern und Erscheinungen, die das äußere Sein aussandte und die Sinne empfingen.

  • Die Beweise und die Deutung: Aristoteles stützte sich auf den „Beweis der sinnlichen Ausdehnung und der erkenntnismäßigen Ableitung“, um philosophisch zu beweisen, dass der menschliche Verstand strukturell unfruchtbar ist, irgendeinen „Rohstoff“ für Ideen von sich aus zu erzeugen oder zu erfinden, und dass es ihm unmöglich ist, sich irgendetwas aus dem reinen Nichts vorzustellen; ein Beleg dafür ist, dass, wer einen der fünf Sinne verliert (wie der von Geburt an Blinde), sein Verstand völlig unfähig ist, den mit jenem Sinn verbundenen Begriff (wie die Farben) zu erfinden oder sich vorzustellen. Und man stützt sich gerade in diesem Beweis auf Aristoteles als schlüssige Grundlage für den Gottesbeweis; denn da der Verstand nicht das Vorrecht der „erkenntnismäßigen Hervorbringung aus dem Nichts“ besitzt und da der Begriff des „absolut Vollkommenen, Immateriellen und Ewigen“ keine Entsprechungen oder zerteilten materiellen Bruchstücke in der mangelhaften materiellen Welt hat, um sie wie die übrigen Mythen zusammenzusetzen, so erfordert das Vorhandensein dieses Begriffs im menschlichen Geist und seine fortwährende Erörterung zwangsläufig das Dasein einer objektiven äußeren Wirklichkeit, die ihn zuströmen ließ. Und von diesem sinnlichen Zugang aus formulierte Aristoteles seinen berühmten theologischen Beweis vom „Ersten Beweger, der sich nicht bewegt“; denn er ist der Ansicht, dass, wenn die Sinne die Wirklichkeit von „Bewegung und Wandel“ im Universum wahrnehmen, dies den Verstand zwangsläufig dazu führt, den Begriff der „feststehenden und ewigen ersten Ursache“ abzuleiten. Damit beweist Aristoteles, dass die Idee Gottes im Geist keine aus der Leere entsprungene Illusion ist, sondern das zwingende Ergebnis realer Daten, die das äußere Sein aussandte und die der Verstand abstrahierte, damit sie auf ihren Schöpfer hinweisen.

2. Die moderne westliche Philosophie: die Strenge der Erfahrung

René Descartes (1596–1650 n.Chr.): Der Wegbereiter der modernen rationalistischen Philosophie untersuchte den Ursprung der angeborenen und vollkommenheitsbezogenen Ideen im menschlichen Verstand und ihre Beziehung zum äußeren Einfluss.

  • Die Beweise und die Deutung: Descartes brachte den „Beweis des vollkommenen Wesens“ (den seinsmäßigen Abdruck) vor; er argumentierte, dass er in sich selbst und in seinem Verstand eine klare und deutliche Idee eines unendlichen, vollkommenen, allmächtigen und allwissenden Wesens (Gottes) findet. Und da er ein begrenztes und mangelhaftes Wesen ist und das rationale Kausalgesetz feststellt, dass „die Ursache so viel an Vollkommenheit enthalten muss wie die Wirkung oder mehr“, ist es unmöglich, dass sein begrenzter, mangelhafter Verstand der Schöpfer und die Ursache der Idee der „Unendlichkeit und Vollkommenheit“ ist. Die cartesische Deutung besteht darauf, dass die Idee der absoluten Vollkommenheit vom Verstand nicht aus dem Nichts erfunden und nicht aus den Erfahrungen der mangelhaften Materie abgeleitet wurde, sondern eine „ursprüngliche, angeborene Idee“ () ist, die der vollkommene Schöpfer bei seiner Erschaffung in die Struktur des menschlichen Verstandes prägte, damit sie auf ihn hinweise wie der Abdruck des Schöpfers, der seinem Werk aufgeprägt ist, trotz der Fesseln der Materie.

John Locke (1632–1704 n.Chr.): Er stimmte den Philosophen der empiristischen Schule in der Idee der Einteilung der Ideen in einfache und zusammengesetzte zu und betrachtete den Verstand als unbeschriebenes Blatt, das seine ersten Eindrücke unmittelbar aus der äußeren Erfahrung empfängt.

  • Die Beweise und die Deutung: Locke formulierte seinen Beweis über den „Beweis der Zerlegung der zusammengesetzten Ideen“; er wies nach, dass der menschliche Verstand sich niemals eine neue sinnliche Qualität oder Eigenschaft vorstellen kann, die er nicht erfahren hat (etwa einen einzigartigen Geschmack zu kosten oder einen Duft zu riechen, der nie durch seine Poren drang). Die Deutung teilt sich bei ihm in zwei Stufen: die äußere Empfindung und die innere Reflexion. Der Verstand empfängt die „einfachen Ideen“ (wie Härte, Farbe und Wärme) passiv von außen, ohne die Fähigkeit, sie abzuwehren oder zu erfinden, und das Äußerste, was das Bewusstsein danach besitzt, ist das erneute Zusammensetzen und Wiederholen dieser einfachen Einheiten, um „zusammengesetzte Ideen“ hervorzubringen. Fehlen aber die ursprünglichen Stoffe in der seinsmäßigen Wirklichkeit, so ist der Verstand völlig gelähmt und unfähig, irgendeine Idee zu formen.

David Hume (1711–1776 n.Chr.): Er betonte, dass die zügellosesten Grade der Einbildungskraft nichts als Kopien sinnlicher Eindrücke sind; hast du also eine Farbe nicht gesehen oder einen Stoff nicht wahrgenommen, so ist es deiner Vorstellung unmöglich, sie aus dem reinen Nichts zu erschaffen.

  • Die Beweise und die Deutung: Hume brachte den „Beweis der Rückverfolgung der Eindrücke“ vor; er stellte eine berühmte philosophische Herausforderung auf, in der er jeden Menschen auffordert, seine dem Gewohnten und der Wirklichkeit am fernsten stehenden Ideen zu zergliedern, um festzustellen, dass sie sich am Ende auf sinnliche Bestandteile zurückführen lassen, die das Gedächtnis aus der Natur aufgriff (wie Gold und Berg zur Hervorbringung eines goldenen Berges). Die Deutung stützt sich bei ihm auf die strenge Unterscheidung zwischen dem „unmittelbaren sinnlichen Eindruck“ und der „geistigen Idee“, die nichts als eine blasse und weniger lebendige Kopie jenes äußeren Eindrucks ist; denn die Vorstellungskraft des Menschen ist gänzlich innerhalb der Mauern dessen eingeschlossen, was er im Sein sah, hörte und berührte, und seine Abstraktion ist bloß ein Spiel mit den seinsmäßigen Schatten, die auf ihn zurückgeworfen werden.

Immanuel Kant (1724–1804 n.Chr.): Er betonte, dass der Verstand durch apriorische Kategorien beherrscht wird, wie Zeit, Raum und Kausalität, die in die Struktur des Bewusstseins einprogrammiert sind, und dass der Mensch nicht außerhalb des Rahmens dieser ihm vom Schöpfungssystem auferlegten kosmischen Gesetze denken oder sich etwas vorstellen kann.

  • Die Beweise und die Deutung: Kant führte den „Beweis der notwendigen Bedingungen der Wahrnehmung“; er machte deutlich, dass der menschliche Verstand niemals imstande ist, sich etwas vorzustellen, das außerhalb des Bereichs der „Zeit“ oder des „Raumes“ liegt, oder sich ein Ereignis vorzustellen, das ohne „Kausalität“ hervorbricht. Diese Kategorien sind keine vom Verstand zusammengesetzten Ideen oder freien Aufnahmen, sondern die „strengen Rahmen und Strukturen“, durch die hindurch das menschliche Bewusstsein konzipiert wurde, um die Daten des äußeren Seins zu ordnen. Die kantische Deutung erläutert, dass der Mensch strukturell unfähig ist, sich eine Welt ohne Dimensionen vorzustellen, was beweist, dass die Wirksamkeit des Verstandes den ihm vorab auferlegten Grenzen und der Geometrie des Schöpfungssystems gänzlich unterworfen und durch sie beschränkt ist und er nicht die Freiheit der absoluten Hervorbringung außerhalb dieser Gesetzmäßigkeiten besitzt.

3. Die islamische Philosophie und die Schule der Erhabenen Weisheit

Ibn Sīnā (370–428 n.H. / 980–1037 n.Chr.) (Avicenna): Er stellte fest, dass die menschliche Seele zu Beginn ihres Entstehens ein „hylischer Verstand“ ist (ein philosophischer Begriff, der den Verstand in seinem anfänglichen Urzustand meint, gleich dem reinen unbeschriebenen Blatt, das keinerlei Bilder oder Informationen besitzt, aber eine vorgängige Bereitschaft und Fähigkeit zum Lernen und zum Empfang von Wissen hat, ganz wie der Rohstoff oder der noch nicht geformte Ton). Und er betonte, dass dieser Verstand zu Beginn gänzlich auf den „Gemeinsinn“ angewiesen ist (die innere geistige Kraft, die die aus den fünf äußeren Sinnen kommenden Empfindungen sammelt und vereint, wie die Verknüpfung der Gestalt des Apfels mit seinem Duft und Geschmack) und auf die „vorstellende Kraft“, um die Bilder der Außenwelt zusammenzufügen, und dass der Verstand völlig unfähig ist, irgendeine „Wesenheit“ (also die Wirklichkeit eines Dinges und seinen grundlegenden Kern, der es zu dem macht, was es ist) zu erfinden, wenn sie keine Wurzel und keinen realen Ursprung in der seinsmäßigen Wirklichkeit hat.

  • Die Beweise und die Deutung: Ibn Sīnā stützte sich auf den „Beweis der Ableitung der Allgemeinbegriffe und der Unterscheidung der Wesenheit“; er machte deutlich, dass das menschliche Bewusstsein bei null beginnt als eine bereite und gänzlich leere Kraft (wie die Hyle) und dann durch das Durchlaufen der äußeren und inneren Sinne die Bilder der Dinge in sich eingeprägt bekommt. Und philosophisch unterschied der „Oberste Meister“ (asch-Schaich ar-Raʾīs) zwischen der „Vorstellung zusammengesetzter Wesenheiten“ (der freien Fähigkeit des Verstandes, die zuvor aufgegriffenen Ideen zu zerlegen und zusammenzusetzen, um neue Fantasiegestalten hervorzubringen, die er nicht vereint gesehen hat, wie das Anfügen von Vogelflügeln an den Körper eines Pferdes zur Hervorbringung des geflügelten Pferdes in den Mythen) und der „Unmöglichkeit, eine einfache, ursprüngliche Wesenheit zu erfinden, die dem äußeren Sein fremd ist“ (etwa die völlige Unfähigkeit des Verstandes, eine gänzlich neue Farbe zu erfinden, die kein Auge zuvor erblickt hat). Und die avicennische Deutung sieht, dass der Verstand in seiner abstrahierenden Bewegung zur Ableitung der allgemeinen universalen Gesetze niemals von der Wirklichkeit getrennt ist; vielmehr ist es das äußere Sein mit seiner Ordnung und seinen Gesetzmäßigkeiten, das den menschlichen Geist zwangsläufig zum Erfassen und Verstehen der großen Selbstverständlichkeiten führt und treibt (wie den Begriff der Kausalität und die Notwendigkeit des Daseins eines Schöpfers, des „Notwendigen Seins“; also des Gottes, der das Sein aus seinem eigenen Wesen besitzt und keines anderen bedarf), denn diese Wahrheiten drängen sich dem Bewusstsein durch die äußere Wirklichkeit auf, und der Verstand lässt sie nicht aus dem Nichts erwachsen.

Schihāb ad-Dīn as-Suhrawardī (549–587 n.H. / 1154–1191 n.Chr.): Er war der Ansicht, dass die Bilder und Vorstellungen, die der Mensch sich einbildet und für die wir keine unmittelbare Anwendung oder materielle Entsprechung in unserer beobachteten Welt finden, kein Nichts oder keine Leere sind, die der Verstand aus dem Nichts schuf, sondern lebendige Bilder, die tatsächlich in einem anderen seinsmäßigen Rang bestehen und verwirklicht sind, der als „Welt der Vorstellungsbilder“ (ʿālam al-mithāl) oder „vermittelnder Barzach“ bekannt ist (eine reale Welt, die in der Mitte zwischen der Welt der wahrnehmbaren Materie und der Welt der reinen geistigen Abstrakta liegt und die Bilder der Dinge, ihre Maße und Gestalten enthält, jedoch ohne ihre schwere Materie), und die menschliche Seele schaut und blickt in diese Welt durch die Reinheit des Geistes, die Enthüllung und die erkenntnismäßige Erleuchtung.

  • Die Beweise und die Deutung: As-Suhrawardī formulierte seinen Beweis auf der Grundlage des „Beweises der geistigen Manifestation“; er argumentierte, dass das, was man Fantasiebilder oder Unmöglichkeiten nennt (die Dinge, von denen der in Illusion Befangene meint, sein Verstand erfinde und erschaffe sie aus dem reinen Nichts), Bilder sind, die wir in unserem Geist sehen und die bestimmte Dimensionen, Maße und Farben haben. Und sein philosophischer Grundsatz besagt, dass „das reine Nichts keine Dimensionen, keine Farben und keine Eigenschaften hat“; wie also kann das Nichts, in dem nichts ist, ein Bild hervorbringen und verleihen, das eine Gestalt und eine Farbe hat? Ließe der Verstand sie aus der Leere entstehen, so wäre der Verstand ein Schöpfer des Seins aus dem Nichts, und das ist nichtig. Und die illuminationistische, schlüssige Deutung sieht, dass der menschliche Verstand hier weder ein Schöpfer noch eine Fabrik ist, die diese Bilder erschafft, sondern bloß eine „Manifestationsstätte“ (also ein blank polierter, sauberer Spiegel), auf der sich Bilder widerspiegeln und offenbaren, die tatsächlich in jener „vom Menschen getrennten und unabhängigen Vorstellungswelt“ bestehen und verwirklicht sind, und das menschliche Bewusstsein verbindet sich mit dieser Welt in einer widerspiegelnden Verbindung, was beweist, dass jede Idee oder jedes Bild im Geist aus einem realen seinsmäßigen Rang geschöpft und keine Geburt des Nichts ist.

Mullā Sadrā asch-Schīrāzī (979–1050 n.H. / 1571–1640 n.Chr.) (Mullā Sadrā): Er bewirkte die tiefste erkenntnismäßige Revolution in der Schule der („Erhabene Weisheit“) durch ihre auf der „Ursprünglichkeit des Seins“ beruhenden Grundlagen; er stellte fest, dass das Sein die eine, reale Wirklichkeit ist, die sich durch das ganze Universum erstreckt, und dass das Nichts eine reine Verneinung ist, die überhaupt nichts ist, und dass es folglich unmöglich ist, dass es dem Geist ein Bild zuströmen lässt oder verleiht; denn alles, was der menschliche Verstand sich vorstellt, ist eine Art und Gestalt der Seinsweisen und hat einen Anteil an der Wirklichkeit. Auch betrachtete er den Vorgang der Einbildung nicht als bloßes Zurückholen alter Bilder, sondern als eine „seinsmäßige Intensivierung“ der Seele (also einen Aufstieg und ein Emporsteigen im Seinsrang), damit sich die Seele mit einem höheren Rang verbindet, der „aktiver Intellekt“ (al-ʿaql al-faʿʿāl) genannt wird. Und er betonte den Grundsatz der „bedürftigen Möglichkeit“ (al-imkān al-faqrī) der menschlichen Seele (ein zentraler philosophischer Begriff, der besagt, dass die Seele in sich selbst und ihrem Wesen geschaffen, bedürftig und schwach ist und in jedem Augenblick gänzlich auf Gott angewiesen ist, damit Er ihr Sein, Leben und Wissen zuführt, denn sie ist wie der Sonnenstrahl, der ohne die Sonne selbst keinen Bestand und kein Dasein hat); demnach besitzt die Seele nicht die Fähigkeit zur eigenständigen Schöpfung und Hervorbringung der Ideen aus dem reinen Nichts (Ex Nihilo), sondern jede Wahrnehmung und Einbildung, die durch sie hindurchgeht, ist eine Manifestation, ein Zufluss und ein erkenntnismäßiges Licht, das ihr vom absolut Selbstgenügsamen zuströmt.

  • Die Beweise und die Deutung: Mullā Sadrā stützte sich auf den „Beweis der Ursprünglichkeit des Seins“ und den „Grundsatz der Wesensverwandtschaft“ (sinchiyya) (ein philosophischer Grundsatz, der die Notwendigkeit einer Entsprechung und Übereinstimmung zwischen der Ursache und der Wirkung fordert; denn wer eine Sache nicht besitzt, kann sie nicht verleihen). Er bewies philosophisch, dass das reine Nichts keine Dinghaftigkeit und keine Wirkung hat und dass es demnach rational unmöglich ist, dass aus ihm ein Begriff, eine Idee oder ein Bild im Geist des Menschen hervorbricht, weil die Verneinung des Seins kein Sein hervorbringt. Und die sadraische Deutung stellt darauf gegründet fest, dass die mit der „bedürftigen Möglichkeit“ (der reinen Angewiesenheit auf den Schöpfer) beschriebene menschliche Seele sich selbst keine erkenntnismäßige Vollkommenheit zuströmen lassen oder die Idee des „absolut Vollkommenen, des Unendlichen und des Notwendigen“ von selbst aus dem Nichts erfinden kann; denn wie sollte ein begrenztes, mangelhaftes und in sich selbst bedürftiges Bewusstsein die Idee der absoluten Selbstgenügsamkeit und Vollkommenheit erfinden? Wer eine Sache nicht besitzt, kann sie nicht verleihen. Deshalb ist die Wahrnehmung des absoluten Seins und der absoluten Vollkommenheit durch den menschlichen Verstand kein Irrtum und keine Illusion, an die sich die Seele gewöhnt hat, sondern das Ergebnis einer „seinsmäßigen Intensivierung“ und einer realen Verbindung, die die Seele mit dem „aktiven Intellekt“ verknüpft, der das Wissen zuströmen lässt. Und diese erhabenen Allgemeinbegriffe sind nichts als reale, leuchtende Manifestationen und Zuflüsse, die das absolut selbstgenügsame göttliche Sein in das Innere des menschlichen Bewusstseins gießt, sodass die Idee an sich ein lebendiger Beweis und ein schauendes Band ist, das vom Dasein des zuströmenden Schöpfers kündet.

4. Die Widerlegung der Einwände: das Problem der Fabelwesen und die Legendenhaftigkeit Gottes

An der Schwelle dieses erkenntnismäßigen Fortgangs erhebt das materialistische und atheistische Denken einen Einwand, der dem Anschein nach logisch wirkt, um diesen Bau zu erschüttern, und der in den philosophischen Debatten als „das Problem der Fabelwesen“ bekannt ist; sein Inhalt lautet:

„Wenn die Unfähigkeit des Verstandes, aus dem Nichts hervorzubringen, ein Beweis für das Dasein Gottes ist, warum stellt sich der Verstand dann den Drachen, das geflügelte Pferd, die Weltraumbewohner und die metaphysischen Geschöpfe vor, obwohl sie in der Außenwelt nicht existieren? Könnte die Idee Gottes nicht bloß eine weitere legendenhafte Fabel sein, die der Verstand zusammensetzte?“

Die strukturelle und philosophische Auflösung dieses Einwands erfordert die Darlegung des wesentlichen und seinsmäßigen Unterschieds zwischen der „Herstellung des Mythos“ und der „Wahrnehmung der absoluten, einfachen Wirklichkeit“.

1. Der Mechanismus der Fälschung des Mythos: das Zusammenfügen materieller Teile

Wenn der Mensch sich ein Fabelwesen vorstellt wie den Drachen, das geflügelte Pferd oder ein schreckenerregendes Weltraumwesen, so übt sein Verstand überhaupt keine Schöpfung aus dem Nichts (Ex Nihilo). Der Verstand arbeitet hier wie ein Gerät zur visuellen Verarbeitung; er besitzt nicht die Fähigkeit, einen neuen Rohstoff zu erfinden, sondern greift auf seinen aus der materiellen Wirklichkeit geschöpften sinnlichen Vorrat zurück und beginnt einen Vorgang der Zerlegung und des erneuten Zusammensetzens:

  • Das geflügelte Pferd: eine Verbindung des Bildes eines materiellen Pferdes mit dem Bild eines materiellen Vogelflügels.
  • Das Weltraumwesen: eine Kombination aus den Armen eines Tintenfischs, dem Auge eines Insekts, der Haut von Reptilien und der Größe eines Dinosauriers.

Der Verstand erfand hier nicht den Rohstoff der Ideen, sondern erfand nur das „Verhältnis und die Zusammensetzung“, und das ist die Funktion der „vorstellenden Kraft“ in der islamischen Philosophie, die die zuvor wahrgenommenen materiellen Bilder zerlegt und zusammensetzt. Die Fabel hat also bekannte materielle Teile und hat ihre Entsprechungen und Ebenbilder in der Natur.

2. Der Mechanismus der Wahrnehmung Gottes: die Abstraktion und das einfache Absolute

Wenn wir von der Welt der Fabeln zur Idee „Gottes“ in ihrer philosophischen Tiefe übergehen, finden wir uns vor einem völlig andersartigen Begriff; denn die wesentlichen Merkmale, die diese Idee bilden, sind: die absolute Einfachheit, die keine Teile hat, die Immaterialität, die Zeitlosigkeit, die Ortlosigkeit, die wesenhafte Selbstgenügsamkeit und die Notwendigkeit des Daseins.

Hier bricht der Analogieschluss des Atheisten zusammen und die Täuschung tritt zutage; denn wir fragen den atheistischen Verstand: Woher griffen deine Sinne den Rohstoff für diese Merkmale auf, um sie zusammenzusetzen oder zu vergrößern? Der Mensch hat in seinem Leben nie etwas „Immaterielles“ wahrgenommen, um es zusammenzusetzen oder von ihm zu kopieren, und hat nie in einer „zeitlosen“ Umgebung gelebt, um von ihr einen gespeicherten sinnlichen Eindruck zu gewinnen, und hat in diesem beobachteten Universum kein einziges „in sich selbst genügsames“ Wesen erblickt, das sich nicht auf ein anderes stützt; vielmehr ist alles, was ihn umgibt, ein mangelhaftes, bedürftiges und vergängliches Wesen.

Der Verstand besitzt die Fähigkeit, eine „Fabel“ zu erfinden, weil ihre Rohstoffe ihm in der materiellen Welt zur Verfügung stehen; er besitzt das Bild des Pferdes und besitzt das Bild des Flügels. Doch ist er völlig unfähig, die Idee der „unendlichen Ausdehnung und Gottes“ zu erfinden, weil er in diesem materiellen Universum keinen ersten Baustein und keinen Rohstoff besitzt, der dem Absoluten oder dem Ewigen gliche. Die Fabel ist also eine Zusammensetzung materieller Teile, und Gott ist eine einfache, abstrakte Wirklichkeit, die keine Teile in der materiellen Welt hat, um aus ihnen zusammengesetzt zu werden.

3. Die Erwiderung Ibn Sīnās: der Grundsatz der Unterscheidung von Notwendigkeit und Unmöglichkeit

Der „Oberste Meister“ Ibn Sīnā (370–428 n.H. / 980–1037 n.Chr.) (Avicenna) unterschied in seinen Untersuchungen über „Sein und Wesenheit“ zwischen der Fähigkeit des Verstandes, sich das „wesenhaft unmögliche Fabelwesen“ vorzustellen, und seiner Vorstellung des .

Wenn der Verstand sich eine Fabel vorstellt, etwa einen Berg aus Rubin, so setzt er eine „nominelle Wesenheit“ aus in der Außenwelt vorhandenen Wesenheiten zusammen und verleiht ihnen ein vorgestelltes akzidentelles Sein. Wenn er sich aber „Gott“ vorstellt, so stellt sich der Verstand keine zusammengesetzte Wesenheit vor, sondern wendet sich unmittelbar dem reinen Sein und seiner selbstgenügsamen Einfachheit zu. Der menschliche Verstand erkennt zwangsläufig und über die Selbstverständlichkeit der Kausalität, dass jedes mögliche Wesen eine Ursache hat, und da die Kette nicht ins Unendliche verlaufen kann, findet sich der Verstand gezwungen und geleitet, einen „ersten Stützpunkt“ anzunehmen, auf dem das Universum ruht, und das ist das . Die Fabelvorstellung ist ein Spiel mit den Bildern; die Vorstellung Gottes hingegen ist eine zwingende rationale Antwort auf die Ordnung des äußeren Seins und ein unabweisbares Streben zur ersten Ursache.

4. Die Erwiderung Mullā Sadrās: der Beweis der Wesensverwandtschaft und der bedürftigen Möglichkeit

Auf der Grundlage der Schule der Erhabenen Weisheit macht Mullā Sadrā (979–1050 n.H. / 1571–1640 n.Chr.) (Mullā Sadrā) den Einwand vom „Gott als Fabel“ zunichte kraft des Grundsatzes der Wesensverwandtschaft, also der Übereinstimmung und Entsprechung; denn damit der Verstand eine Sache wahrnimmt, muss es eine Wesensverwandtschaft zwischen dem Erkennenden und dem Erkannten geben. Der menschliche Verstand ist in seiner seinsmäßigen Identität eine „bedürftige Möglichkeit“, also ein Wesen reiner Bedürftigkeit und Angewiesenheit auf ein anderes. Und dem begrenzten, mangelhaften Wesen ist es unmöglich, von sich aus emporzuspringen, um den Begriff der „absoluten Selbstgenügsamkeit, der Unendlichkeit und der Vollkommenheit“ wahrzunehmen oder sich vorzustellen, weil wer eine Sache nicht besitzt, sie nicht verleihen kann, und die Armut den Begriff der wesenhaften Selbstgenügsamkeit nicht hervorbringt.

Demnach ist unsere Vorstellung von der Vollkommenheit und Unendlichkeit keine Fabel, die wir zusammensetzten, sondern ein seinsmäßiger Abdruck und eine Anziehungskraft, die der absolut Selbstgenügsame in unsere Seelen strömen ließ. Und wie die Ratlosigkeit der Kompassnadel und ihre Ausrichtung das Vorhandensein eines unsichtbaren Magnetfeldes erfordert, das sie anzieht, so ist das Kreisen des menschlichen Verstandes und seine Ratlosigkeit angesichts des Begriffs der „absoluten Vollkommenheit“ ein Abdruck und eine Widerspiegelung des Vorhandenseins dieses „vollkommenen seinsmäßigen Magneten“ in der Außenwelt, und das ist Gott.

5. Die Erwiderung der Gnostiker: der Grundsatz der Gleichläufigkeit von Sein und Vollkommenheit

Die Gnostiker und Philosophen sind der Ansicht, dass der Mensch ein angeborenes Streben und eine gewaltige Sehnsucht nach der „absoluten Vollkommenheit“ besitzt, also nach dem unendlichen Wissen, der absoluten Macht und dem ewigen Fortbestand, und es ist eine Sehnsucht, die niemals erlischt. Und wenn der Atheist behauptet, dieses Streben gleiche der Vorstellung der „Weltraumbewohner“, so wird ihm erwidert, dass die Sehnsucht nach dem Fabel- oder Weltraumwesen mit seiner bloßen Vorstellung oder Zeichnung schwindet und dass es durch die Grenzen der Materie und der Funktion begrenzt ist. Die menschliche Sehnsucht nach der Vollkommenheit hingegen erstreckt sich ohne Ende; besäße der Mensch die Erde, so verlangte er den Himmel.

Und da die kosmische Ordnung auf der Weisheit und der absoluten Stimmigkeit beruht, ist das Vorhandensein des Hungers ein Abdruck des Vorhandenseins der Nahrung, und das Vorhandensein des Durstes ein Abdruck des Vorhandenseins des Wassers, und das Vorhandensein dieser „unendlichen Sehnsucht und ihrer im Bewusstsein des Menschen gegenwärtigen Vorstellung“ ein schlüssiger Beweis für das Vorhandensein eines „vollkommenen, unendlichen Geliebten und angestrebten Ziels“ in der Außenwelt, das diese Weite und diese seinsmäßige Bedürftigkeit in der menschlichen Seele stillt.


5. Die zwingende Anwendung: die Idee Gottes und der Abdruck des Schöpfers

Wenn diese philosophischen und wissenschaftlichen Grundsätze feststehen und übereinstimmen – dass nämlich der Verstand den Rohstoff seiner Ideen nicht aus dem Nichts erfindet, dass jedes geistige Bild eine seinsmäßige Quelle außerhalb des Verstandes haben muss und dass die Idee Gottes frei ist vom Mechanismus des Zusammensetzens materieller Fabeln –, so stehen wir von Angesicht zu Angesicht vor der Frage Gottes als zwingendem Abdruck.

Wir stehen hier vor einer kritischen philosophischen Frage, die sich aufdrängt: Wie konnte der menschliche Verstand – begrenzt, mangelhaft, zeitlich und von allen Seiten von der Materie umgeben – sich den Begriff des „absolut Vollkommenen, Unbegrenzten, Ewigen und in sich selbst Genügsamen“ vorstellen?

Woher nahm die Menschheit diesen „Rohstoff“ der Ideen? Der Verstand lebt in einer materiellen Welt, in der er in jedem Augenblick den Mangel wahrnimmt; denn alles um uns herum stirbt, erkrankt, endet und ist durch die Grenzen von Ort und Zeit beherrscht. Und da wer eine Sache nicht besitzt, sie nicht verleihen kann, ist es diesem in die Begrenztheit versenkten Verstand unmöglich, die Idee der „absoluten Vollkommenheit“ Ex Nihilo hervorzubringen.

1. Der seinsmäßige Beweis und der Abdruck des Schöpfers bei Descartes

Der französische Philosoph René Descartes (1596–1650 n.Chr.) (René Descartes) nutzte diese Logik mit strenger mathematischer Genauigkeit, um das Dasein Gottes zu beweisen, und seine Idee lässt sich darauf zusammenfassen, dass die Idee des „absolut vollkommenen Verstandes“ klar und deutlich in seinem Geist ist. Und da sein begrenzter Verstand nicht die Ursache für die Schöpfung der Idee des „Unbegrenzten“ sein kann, weil die Ursache so viel an Sein und Vollkommenheit enthalten muss, wie es dem Ergebnis gleichkommt oder es übertrifft, muss dieses vollkommene Wesen tatsächlich in der Außenwelt vorhanden sein, und es ist dasjenige, das diese Idee in den menschlichen Verstand prägte wie „den Abdruck des Schöpfers auf seinem Werk“, ganz wie die Signatur, die der Schöpfer im Inneren des Geschöpfs hinterlässt.

2. Der Beweis der Wahrhaftigen bei Mullā Sadrā

In der späteren schiitischen Philosophie und der Erhabenen Weisheit bei Mullā Sadrā (979–1050 n.H. / 1571–1640 n.Chr.) (Mullā Sadrā) wird diese Bedeutung über den „Beweis der Wahrhaftigen“ formuliert.

Das Sein ist eine einzige, abgestufte Wirklichkeit, und der menschliche Verstand ist ein Rang unter den Rängen dieses Seins. Wenn der Verstand sich den Begriff des „absoluten Seins, das aller Dinge unbedürftig ist“, also des , vorstellt, so kann diese Vorstellung nicht aus dem Nichts hervorgehen, weil das Nichts nichts zuströmen lässt. Und kraft des Grundsatzes der Wesensverwandtschaft ist die Fähigkeit des Verstandes, das Äußerste der Vollkommenheit und Unendlichkeit zu erfassen und sich vorzustellen, ein Abdruck und eine Widerspiegelung des Vorhandenseins einer realen Wirklichkeit, die diese seinsmäßige Anziehung in das menschliche Bewusstsein aussendet. Der Verstand erfand den Begriff nicht, sondern der Begriff wurde ihm auferlegt, weil sein Schöpfer ihn in seine seinsmäßige Beschaffenheit prägte.

3. Die Ratlosigkeit des Atheisten: die Bejahung des Begriffs, um ihn zu verneinen

Dieser philosophische Beweis bleibt nicht an den Grenzen derer stehen, die an die Rechtleitung und die glauben, sondern erstreckt sich auch auf die Atheisten und die Leugner des göttlichen Daseins. Denn der Atheist muss, um Gott zu verneinen und zu kritisieren, ihn zunächst in seinem Geist mit seinen universalen Merkmalen vorstellen: allmächtig, allwissend und Urheber des Universums. Die Frage, die der Atheismus nach den Gesetzen der Erkenntnis nicht zu beantworten vermag, lautet: Woher schöpfte der atheistische Verstand den gedanklichen Rohstoff für ein immaterielles und unbegrenztes Wesen, um es zu verneinen?

Wäre die Idee Gottes eine Illusion oder eine Erfindung Ex Nihilo, so wäre es dem menschlichen Verstand von vornherein unmöglich, sie zu bilden, weil die Illusion selbst eine Zusammensetzung früherer materieller Bilder ist, wie das geflügelte Pferd. Gott aber hat kein materielles Ebenbild im Universum, das der Verstand zusammensetzen und vergrößern könnte. Folglich ist die Vorstellung Gottes durch den Atheisten, um ihn zu verneinen, ein ausdrückliches Eingeständnis, dass der Begriff bestehend und seinem Bewusstsein von außen auferlegt ist und nicht das Erzeugnis einer inneren Fälschung. Die Ratlosigkeit der gesamten Menschheit, ihrer Gläubigen und ihrer Atheisten, und ihr Kreisen um einen einzigen Schwerpunkt, nämlich die „Vollkommenheit“, beweist, dass es eine seinsmäßige Wirklichkeit gibt, die diesen Abdruck aussendet und diese Anziehung auferlegt.


6. Schluss: Die seinsmäßige Notwendigkeit

So wie die wissenschaftliche und philosophische Wirklichkeit bewiesen hat, dass das Flugzeug nicht aus dem Nichts kam, sondern deshalb, weil es Vögel und dynamische Gesetze im Universum gibt, die den Verstand mit Daten versorgten, und so wie die Relativitätstheorie nicht aus der Leere erwuchs, sondern deshalb, weil das Gefüge der Raumzeit bereits besteht und darauf wartete, dass jemand es entdeckt, so ist die bloße Tatsache, dass der menschliche Verstand eine Debatte über Gott führt, sei es bejahend oder verneinend, der größte Beweis für die Notwendigkeit seines Daseins.

Denn der begrenzte, von Materie und Nichts umgebene Geist kann den Begriff des „absolut Vollkommenen und Unendlichen“ nicht von sich aus erfinden und besitzt in diesem Universum sicherlich keine materiellen Bruchstücke, um ihn wie die übrigen legendenhaften Fabeln zusammenzusetzen. Die Fähigkeit des Atheisten, sich Gott vorzustellen, um ihn zu leugnen, und die Fähigkeit des Gläubigen, ihn zu erfassen, um ihn als einzig zu bekennen, bedeuten, dass der Begriff dem menschlichen Bewusstsein von außen auferlegt ist; und die Anziehung geschieht nur beim Vorhandensein eines Magneten. Die Debatte über Gott ist keine vom Verstand erschaffene Illusion, sondern eine Widerspiegelung und ein lebendiger Abdruck, den der Schöpfer in die Tiefe des menschlichen Seins geprägt hat.

Die Debatte über Gott ist keine vom Verstand erdichtete Illusion, sondern ein seinsmäßiger Abdruck und ein lebendiges Siegel, das der Schöpfer in die Tiefe des menschlichen Bewusstseins geprägt hat.